Was die Staatenwahl wirklich beeinflusst
Räumen wir zuerst den größten Irrtum weg: Die Wahl des Bundesstaats macht deine US LLC nicht steuerfrei. Was der Staat regelt, sind Gesellschaftsrecht, Gründungs- und Jahresgebühren, Offenlegungspflichten und in manchen Fällen eine eigene Ertragssteuer auf im Staat erzielte Einkünfte. Was er nicht regelt, ist deine Bundessteuerpflicht und deine Steuerpflicht in Deutschland, Österreich oder der Schweiz.
Als Non-Resident ohne US-Betriebsstätte hast du in der Regel in keinem der drei Staaten eine State Income Tax auf dein Geschäftsergebnis — nicht weil der Staat besonders günstig ist, sondern weil du dort keine steuerpflichtige Tätigkeit ausübst. Die relevanten Fragen liegen auf Bundesebene und in deinem Wohnsitzland; siehe dazu Doppelbesteuerung USA–Deutschland.
Bleiben vier Kriterien, die tatsächlich unterscheiden:
- Kosten — Gründungsgebühr und laufende Jahresgebühr.
- Offenlegung — steht dein Name in einem öffentlichen Register?
- Laufende Pflichten — musst du jährlich einen Report einreichen?
- Akzeptanz — wie reagieren US-Banken, Zahlungsdienstleister und Investoren?
Wyoming — der Standard
Wyoming ist unter Non-Resident-Gründern der am häufigsten gewählte Staat, und die Gründe sind unspektakulär solide: Die Gebühren sind niedrig, der Jahresreport ist eine Formalie, die Gesellschafter erscheinen nicht im öffentlichen Register, und US-Banken sowie Zahlungsdienstleister kennen Wyoming-LLCs zur Genüge.
- Gründungsgebühr: im Bereich von etwa 100 USD.
- Annual Report: jährlich fällig, mit einer Mindestgebühr im Bereich von 60 USD. Die Höhe richtet sich nach den in Wyoming belegenen Vermögenswerten — bei einem typischen Online-Geschäft ohne Vermögen im Staat bleibt es beim Minimum.
- Anonymität: Mitglieder und Manager werden nicht öffentlich gelistet.
- Keine State Income Tax auf Ebene des Staates.
- Akzeptanz: hoch. Das ist der praktisch wichtigste Punkt.
Wenn du ein digitales Geschäft betreibst — SaaS, Onlinekurse, Consulting, E-Commerce ohne US-Lager — und keine US-Investoren erwartest, brauchst du über die Alternativen nicht lange nachzudenken.
Delaware — für Investorenfälle
Delaware hat einen echten, aber spezifischen Vorteil: ein außergewöhnlich ausgereiftes Gesellschaftsrecht mit einem eigenen Handelsgericht, dem Court of Chancery, und einer jahrzehntelangen Spruchpraxis. Für US-Wagniskapitalgeber ist Delaware der Heimathafen. Wer eine Finanzierungsrunde plant, wird ohnehin dorthin geführt.
- Gründungsgebühr: etwas niedriger als in Wyoming.
- Jährliche Franchise Tax: für LLCs ein pauschaler Betrag im Bereich von 300 USD — deutlich mehr als Wyomings Minimum, und unabhängig von Umsatz oder Gewinn.
- Anonymität: gut, Mitglieder werden nicht öffentlich geführt.
- Ansehen: das höchste der drei, besonders bei Investoren und größeren Vertragspartnern.
Prestige ist kein Geschäftsmodell
Delaware wird häufig empfohlen, weil „die großen Konzerne dort sind“. Für eine Einpersonen-LLC mit digitalem Produkt ist das kein Argument — du zahlst dann jährlich rund 300 USD für einen Rechtsrahmen, dessen Vorteile du nie in Anspruch nimmst. Der Vorteil ist echt, aber er ist an einen Anlass gebunden: Investoren, komplexe Gesellschafterstrukturen, Anteilsklassen.
New Mexico — minimale laufende Pflichten
New Mexico ist die Wahl für Gründer, die vor allem laufenden Verwaltungsaufwand vermeiden wollen. Der Punkt, der den Staat besonders macht: Es gibt für LLCs keinen jährlichen Report. Das bedeutet keine wiederkehrende Frist, die man verpassen kann, und keine Jahresgebühr an den Staat.
- Gründungsgebühr: die niedrigste der drei, im Bereich von 50 USD.
- Kein Annual Report — der eigentliche Vorteil.
- Anonymität: sehr gut.
- Akzeptanz: der Schwachpunkt. Weniger US-Banken und Dienstleister haben Routine mit New-Mexico-LLCs, was Anträge gelegentlich verlangsamt.
Rechne den Vorteil ehrlich durch: Der Unterschied zu Wyoming liegt bei etwa 60 USD pro Jahr plus dem Aufwand für eine Formalie. Wenn dafür dein Bankantrag zäher läuft, hast du schlecht getauscht. Wenn dir der Wegfall der Frist dagegen Ruhe verschafft und dein Banking bereits steht, ist es eine vertretbare Wahl.
Die Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Wyoming | Delaware | New Mexico |
|---|---|---|---|
| Gründungsgebühr | ca. 100 USD | ca. 90 USD | ca. 50 USD |
| Laufend p. a. an den Staat | ab ca. 60 USD | ca. 300 USD | 0 USD |
| Jahresreport nötig | ja | Franchise Tax | nein |
| Gesellschafter öffentlich | nein | nein | nein |
| Akzeptanz bei US-Banken | hoch | hoch | mittel |
| Eignung für Investoren | mittel | hoch | niedrig |
| State Income Tax für Non-Residents | nein | nein | nein |
Kurzentscheidung
| Dein Fall | Empfehlung |
|---|---|
| Digitales Produkt, SaaS, Consulting, Coaching | Wyoming |
| E-Commerce ohne US-Lager | Wyoming |
| US-Investoren geplant, Anteilsklassen nötig | Delaware |
| Maximal wenig Verwaltung, Banking steht schon | New Mexico |
| US-Immobilien | Staat der Immobilie mitdenken — siehe Real Estate mit US LLC |
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Danach weißt du es.
Wir schauen uns dein Geschäftsmodell und deine Pläne an und geben eine klare Empfehlung zum Bundesstaat — auch wenn du am Ende ohne uns gründest.
LLC Setup ansehen →Die drei häufigsten Fehler
1. Den Staat nach Steuerersparnis wählen
„Wyoming hat keine Steuern“ ist als Aussage über den Bundesstaat richtig und als Aussage über deine Steuerlast irreführend. Deine Bundessteuerpflicht und die Besteuerung in deinem Wohnsitzland bleiben unberührt. Wer den Staat nach diesem Kriterium wählt, optimiert eine Größe, die kaum ins Gewicht fällt, und übersieht die, die es tut.
2. Physische Präsenz ignorieren
Wenn du ein Lager, ein Büro, Personal oder regelmäßige Tätigkeit in einem anderen US-Staat hast, kann dort eine Registrierung als „Foreign LLC“ fällig werden — zusätzlich zu deinem Gründungsstaat, mit eigenen Gebühren und Pflichten. Für Amazon-FBA-Verkäufer ist das ein Dauerthema; wir haben es in Amazon FBA mit US LLC ausgeführt.
3. Registered Agent als Nebensache behandeln
In jedem Staat brauchst du eine zustellungsfähige Adresse. Ein schlechter Registered Agent leitet Behördenpost verspätet oder gar nicht weiter — und verpasste Fristen kosten mehr als die Ersparnis beim Anbieter. Was der Posten leistet und worauf du achten solltest, steht in Registered Agent — was das ist.
Unterm Strich: Wyoming ist für die meisten der kürzeste Weg zu einer funktionierenden Struktur. Delaware, wenn Investoren kommen. New Mexico, wenn dich jede wiederkehrende Frist stört. Und in allen drei Fällen entscheidet nicht der Staat über deinen Erfolg, sondern ob EIN, Banking und Compliance sauber stehen.
Gebühren ändern sich
Die genannten Beträge sind Größenordnungen zur Einordnung, keine tagesaktuellen Gebühren. Bundesstaaten passen Filing Fees und Reportgebühren an. Prüfe die aktuellen Sätze beim jeweiligen Secretary of State, und lass steuerliche Fragen von einem Fachberater klären.